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"Halt auf freier Strecke" von Andreas Dresen


"Halt auf freier Strecke" von Andreas Dresen

Der Tod von Frank (Milan Peschel) war nicht eingeplant, jedenfalls nicht auf halber Strecke, mit gerade einmal 40 Jahren.

Nicht ausgerechnet jetzt, wo doch gerade erst die Doppelhaushälfte am Stadtrand mit Frau und Kindern bezogen wurde. Die Diagnose des Arztes lässt jedoch keinen Zweifel – der Hirntumor ist inoperabel, der Tod wird schnell kommen, die Zeit fürs Abschiednehmen ist kurz. All das macht das Sterben für Frank umso schwerer.

Wie man diese unmögliche Aufgabe bewältigt, für sich allein und im Kreis der Familie und zwar zuhause und nicht im Krankenhaus oder Sterbehospiz – davon erzählt Andreas Dresen bewegendes und gleichwohl unsentimentales Drama, inspiriert von eigenen Erfahrungen und denen seiner Mitarbeiter – Schauspielern und Teammitgliedern – mit denen der Potsdamer Regisseur seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Wie schon in seinem ersten Cannes-Beitrag „Wolke 9“ richtet er seinen Blick dorthin, wo andere wegsehen, sich in Metaphern flüchten oder zum Weichzeichner greifen: auf die alltäglichen Dinge – so in diesem Fall auch die Ungerechtigkeit, den Kontrollverlust oder sogar die hässlichen Seiten, die das Sterben zum Vorschein bringt. Die Ärzte und Sterbebegleiter, die er dazu konsultiert hat, treten den Schauspielern auch im Film gegenüber, denn niemand wüsste besser als sie über das Thema Bescheid. Milan Peschel und seine Mitspieler, gerade seine Kinder verleihen der Geschichte eine große Tiefe und zuweilen auch befreiend humorvolle Züge - etwa wenn der Hobbyguitarrist Frank sich beim Bestatter zur bevorstehenden Beerdigung gleich die komplette „Dead Man“-Platte von Neil Young wünscht. Der Familie beim gemeinsamen Voneinander-Abschiednehmen zuzusehen, ist bewegend und tröstlich zugleich. Indem wir Franks immer langsamer werdendem Leben, seine sich allmählich ins Nichts auflösenden Gedankengänge aus nächster Nähe miterleben dürfen, nimmt Andreas Dresen dem Tod einen großen Teil seines Schreckens.

Ein Bericht von Martin Rosefeldt;


Erstausstrahlungstermin: Mo, 16. Mai 2011, 22:00

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