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"Les bien-aimés" von Christophe Honoré


"Les bien-aimés" von Christophe Honoré

Madeleine und ihre Tochter Véra und die Männer, die sie lieben, zwischen dem Frankreich der 1960er und der 2000er Jahre, zwischen Prag, London und Montreal. Nicht jede Zeit erlaubt es den Frauen, ihre Liebe frei zu leben. Wie widersteht man dem Druck, der die tiefsten Gefühle verletzt?

"Les bien-aimés" von Christophe Honoré ist ein altmodischer Film. Zuerst einmal wegen seines Themas, dem heute kaum Beachtung geschenkt wird: persönliche Portraits von Frauen, die ganz in ihren Gefühlen leben. Aber auch wegen seiner Struktur: die Frauen sind blond, den Männern zu Diensten und sie tun alles, um die Männer, die sie bedingungslos lieben, zufrieden zu stellen. Ihre Intelligenz, im Europa der 60er und 70er Jahre für die Frauen noch ein Hindernis, verstecken sie hinter schönen Frisuren, hochhackigen Schuhen und einem freizügigen Liebesleben.

Nach dieser Generation von Frauen, die gezwungen waren, sich dumm zu stellen, ohne es zu sein, kommen die schwermütigeren Frauen der 80er Jahre, die Jahre von Aids, in denen Liebe auch Tod bedeutet. Hier zeigt sich die nächste Stärke des Films: ganz natürlich gelingt ihm der Übergang von der spritzigen, pragmatischen Komödie, zur schwerwiegenden Tragödie. „Haben wir die nötige Kraft, um unser Leben zu meistern“ ist die Frage, die Christophe Honoré im zweiten Teil seines Films in den Raum stellt. Die blonde Hauptfigur (dargestellt von Chiara Mastroianni), die selbst vor dieser Frage steht, ist nun dunkelhaarig und meistert diesen dunklen Part des Films absolut überzeugend. Mit seinen zwei gegensätzlichen Frauenbildern ist Christophe Honoré ein schöner, tragischer und tiefsinniger Film gelungen.

Text und Bericht: Julien Welter

"Les bien-aimés"
Ein Film von Christophe Honoré
Mit Catherine Deneuve, Chiara Mastroianni, Ludivine Sagnier
(Frankreich, 2011)

Außer Konkurrenz (Abschlussfilm)


Erstausstrahlungstermin: So, 22. Mai 2011, 15:00

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