"Mein Leben - Jorge Semprun" (Ausschnitt)
"Mein Leben - Jorge Semprun" (Ausschnitt)
"Ich habe so viel zu erzählen, dass ich zu wenig erfinde", sagt Jorge Semprún. Harald Jung ist es gelungen, dieses spannungsreiche Leben Semprúns in einer beeindruckenden Filmbiografie nach zu zeichnen.
In der Tat gibt es nicht viele Zeitgenossen, die die Schrecken des 20. Jahrhunderts so intensiv erlebt haben wie Jorge Semprún, der spanische Schriftsteller und ehemalige Kulturminister. Als eines von sieben Kindern einer großbürgerlichen spanischen Familie wird er 1923 in Madrid geboren; 1936, in den ersten Tagen des Franco-Putsches, gelingt seiner Familie die Flucht ins Exil nach Paris. 1941, nach dem Einmarsch deutscher Truppen, schließt sich der 17-Jährige dem französischen Widerstand an, seine Gruppe sprengt Munitionszüge der deutschen Besatzer in die Luft, riskiert Kopf und Kragen, wird denunziert. Semprún wird gefasst, von der Gestapo gefoltert. "Der Schmerz ist eine Erfahrung, auf die du dich nicht vorbereiten kannst", sagt er.
Semprún wird in das KZ Buchenwald deportiert. In der heimlichen kommunistischen Organisationszelle, die das interne Leben im Konzentrationslager - "so gut es geht" - verwaltet, erhält der "Rotspanier" eine Funktion. "Ich war der Einzige, der Deutsch sprach. Auf einmal halfen mir meine bürgerliche Herkunft und meine deutschen Gouvernanten", erzählt er. Er führt die "Arbeitsstatistik" und bewahrt durch riskante Fälschungen manchen Gefangenen vor dem Abtransport in eines der gefürchteten Außenkommandos. "Natürlich war da immer ein Risiko, aber ich hatte Glück, immer wieder in meinem Leben hatte ich enormes Glück", so Semprún.
Nach der Befreiung kehrt Semprún nach Paris zurück. Er versucht, über das Inferno des Konzentrationslagers zu schreiben und scheitert. "Es hätte mich in den Selbstmord getrieben", sagt er, "ich hatte nur die Wahl: Schreiben oder Leben. Und ich habe Leben gewählt."
1953 entscheidet sich Semprún für den politischen Kampf. Zehn Jahre lang koordiniert er im Auftrag und später als Mitglied des ZK und Politbüros der spanischen Exil-KP den illegalen Widerstand gegen das Franco-Regime. "Federico Sánchez" - so der bekannteste seiner vielen Decknamen, war der meistgesuchte Mann im Franco-Spanien. Während er unter Lebensgefahr im Madrider Untergrund die Widerstandsaktionen der spanischen Intellektuellen und Studenten organisierte, liest er Solschenizyns "Ein Tag im Leben des Ivan Denissowitsch" und erfährt von der Existenz des Gulag. 1964 wird er wegen Abweichung von der Parteilinie aus der spanischen KP ausgeschlossen.
Seit 1964 lebt Semprún als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Paris. 1988 ernennt ihn der sozialistische Ministerpräsident Spaniens, Felipe González, zum Kulturminister. Semprún übt dieses Amt bis 1991 in Madrid aus. Seitdem lebt er wieder in Paris.
Zwölf Romane hat Jorge Semprún geschrieben. Die meisten mit autobiografischem Hintergrund. Sie zählen zu den großen Zeugnissen des 20. Jahrhunderts. Für sein Werk erhält er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem im Jahr 1994 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.
Erstausstrahlungstermin:
So, 12. Jun 2011, 14:45
Neuen Kommentar hinzufügen
Alle Ihre Fragen
-
Videos des Tages

- Das Office of Special Affairs - O.S.A.
- Gestern, 20:17

- Zecken-Borreliose
- So, 13. Mai 2012, 10:55

- Mit offenen Karten
- Gestern, 22:58

- Vom Bazar an die Wall Street
- Gestern, 23:11

- Damaskus, voller Erinnerungen
- Mo, 14. Mai 2012, 23:52

- Flipping out
- Mo, 14. Mai 2012, 03:06
-
Weitere Videos zu dieser Sendung

- ARTE Journal
- Heute, 12:50

- Koons wie Kitsch
- Heute, 10:58

- Frankreichs neuer Regierungschef: ein Deutschlandkenner
- Gestern, 17:00

- ARTE Journal
- Gestern, 19:10

- Haftbedingungen in der Ukraine
- Gestern, 12:50

- Koons wie Kitsch
- Gestern, 15:40

- Interview mit Claudia Kade
- Gestern, 11:05

- NRW: Die Folgen des SPD-Triumphs
- Mo, 14. Mai 2012, 19:50

- Interview mit Claudia Kade
- Gestern, 10:31

- Interview mit Claudia Kade
- Gestern, 10:26
-
Meistgesehen

- Ann-Liv Young
- Fr, 12. Dez 2008, 00:00

- Sex im 21. Jahrhundert (Ausschnitt 1/3)
- Fr, 3. Dez 2010, 00:00

- Sex im 21. Jahrhundert (Ausschnitt 3/3)
- Fr, 17. Dez 2010, 21:45

- Sex im 21. Jahrhundert (Ausschnitt 2/3)
- Fr, 10. Dez 2010, 21:45

- "Kaufen für die Müllhalde" (Ausschnitt)
- Di, 24. Jan 2012, 20:15

- Summer of the 60s: "I get around"
- Mo, 7. Jun 2010, 11:12

- Verbotene Aufnahmen (1/12)
- Mo, 11. Okt 2010, 09:38

- Belle France - Die Provence
- Fr, 13. Jan 2012, 16:35

- Verbotene Aufnahmen (2/12)
- Mo, 11. Okt 2010, 09:39

- Bondage (Ausschnitt)
- Fr, 30. Jul 2010, 01:00
-
Zuletzt hinzugefügt

- ARTE Journal
- Heute, 12:50

- Koons wie Kitsch
- Heute, 10:58

- 360° - Geo Reportage
- Heute, 09:40

- X:enius
- Heute, 08:28

- Konzertsommer in Aix-en-Provence 2008: Joseph Haydn
- Heute, 06:00

- 28 Minuten
- Heute, 01:23

- Ohne Zins ins Paradies
- Heute, 00:04

- Vom Bazar an die Wall Street
- Gestern, 23:11

- Mit offenen Karten
- Gestern, 22:58

- Berlin - Geheimoperation Tunnel
- Gestern, 22:04
-
Letzte Chance

- Sommersonntag
- Mi, 9. Mai 2012, 16:35

- Im Bann der Pferde (3/4)
- Mi, 9. Mai 2012, 16:45

- Frankreichs mythische Orte (3/40)
- Mi, 9. Mai 2012, 17:30

- ARTE Journal
- Gestern, 19:10

- Das Jahr der Wildnis (3/5)
- Mi, 9. Mai 2012, 19:30

- So wie ein Wunder
- Mi, 9. Mai 2012, 22:18

- Du sollst nicht lieben
- Mi, 9. Mai 2012, 23:12

- Wahlkampffotos aus Frankreich
- Do, 10. Mai 2012, 00:42

- 28 Minuten
- Do, 10. Mai 2012, 00:45

- X:enius
- Do, 10. Mai 2012, 08:22
