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"Sleeping Beauty" von Julia Leigh


"Sleeping Beauty" von Julia Leigh

“Was die Männer nachts mit ihr anstellen, hat sie am andern Morgen vergessen” – so der verführerische, auf unsere voyeuristischen Instinkte zielende ‘Oneliner’ von “Sleeping Beauty”.

Und wie uns Hauptdarstellerin Emily Drowning mit ihren dunklen Augen, ihrer weissen, durchsichtigen Haut und rot geschmickten Lippen vom Plakat herunter fixiert, fühlt man sich unwillkürlich an eine moderne Erotikversion von “Dornröschen” erinnert. Die bisher nur als Romanautorin hervorgetretene australische Regie-Debütantin Julia Leigh aber setzt ihre Protagonistin von Anfang an nicht als blosses Opfer männlicher Phantasien in Szene, sondern als selbstbestimmte, an der Logik des globalisierten Kapitalismus ausgerichtete Zeitarbeiterin. Ihre Lucy gibt sich auch für andere Dinge her , wenn es Geld bringt – sie verschluckt Magensonden zu medizinischen Testzwecken oder kopiert Bürounterlagen im Akkord. Aber die höchsten Stundenlöhne lassen sich nun einmal mit den Phantasien alter Männer verdienen – je älter, perverser und trauriger der Mann, desto höher der Lohn. Lucy geht dabei mit existentialistischer, passiver Gleichgültigkeit und lässiger Provokation zu Werke, so als wollte sie herausfinden, wie weit diese Welt und die Menschen, denen sie längst gehört, zu gehen bereit ist.

Als dies filmt Julia Leigh mit sensiblem Gespür für Doppelbödiges und Auslassungen. Ihre Dialoge verzichten auf alles Psychologische. Lucy last sich niemals ganz in die Karten schauen, über Herkunft und Motive ihres Handelns lässt uns die Regisseurin weitgehend im Dunkeln. Das wirkt verstörend, lässt aber viel Spielraum, um den eigenen Voyeurismus, die eigene Sensibilität zu hinterfragen. Leighs surreale Bilderwelten sind grossartig komponiert, Kostüm und Ausstattung erinnern an Metaphysiker wie Kubrik oder David Lynch und auch der Soundtrack verzichtet auf allen Pomp, um unser Unterbewusstsein zu wecken. Das Kino als Wunderkammer interessiert Julia Leigh und in der Tat versetzt uns die ‘Sleeping Beauty’ Emily Browning ein um das andere Mal in ungläubiges Staunen.

Interview mit Julia Leigh und Emily Browning von Moritz Wulf.

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Erstausstrahlungstermin: Do, 12. Mai 2011, 19:00

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