"Was bleibt", von Hans-Christian Schmid
"Was bleibt", von Hans-Christian Schmid
Es ist Sommer. Das Haus ist schön, der Garten gepflegt, das Leben saturiert. Man kommt vom Segeln oder aus der eigenen Zahnarzt-Praxis, man isst das sorgfältig zubereitete Essen im Freien auf der Terrasse und über allem liegt ein wunderbares Licht. Doch die bürgerliche Idylle trügt.
Der Film Was bleibt erzählt von dem Besuch eines Berliner Schriftstellers (gespielt von Lars Eidinger) bei seiner zutiefst unglücklichen Familie in der westdeutschen Provinz. Die Mutter (Corinna Harfouch) ist seit 30 Jahren manisch-depressiv, sie hat zum Entsetzen ihrer Familie gerade ihre Medikamente abgesetzt. Die Praxis des Zahnarzt-Bruders läuft nicht, er bleibt finanziell abhängig vom wohlhabenden Verleger-Vater. Die Liebe zwischen den Eltern scheint gründlich erkaltet, ihr gemeinsames Leben gescheitert.
Was bleibt, ist "ein Film, der nur in Westdeutschland spielen" kann, wie der Regisseur selbst sagt. So gesehen ist Hans-Christian Schmid nach der internationalen Produktion Sturm wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt.
Hans-Christian Schmid hat in seinen Filmen immer wieder ein großes Gespür für die genaue Schilderung sozialer Milieus und freundschaftlicher wie familiärer Beziehungen bewiesen. Ob es nun in 23 um die frühe Hackerszene, um Drogensucht und Verschwörungstheoretiker im Hannover der 80er Jahre ging. Oder in Requiem um eine destruktive Mutter-Tochter-Beziehung, die den Hintergrund für einen tödlich ausgehenden Exorzismus bildet. Was bleibt mag eine nicht ganz so originelle, bezwingende, Handschrift haben wie andere Filme Hans-Christian Schmids. Aber auch ihm gelingt ein eindringliches Porträt: das einer Familie, die in all ihrer Liberalität und und kultiviertem Wohlstand über einem Abgrund balanciert.
Erstausstrahlungstermin:
Mi, 15. Feb 2012, 14:21
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