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Tracks - Zapping vom 9. Juni 2011

Die Sendung am 9. Juni 2011 um 22.40 Uhr:

Special: Girls!

Chorisches Schnattern mit Gaggle
Am Anfang war eine Vision. Deborah Coughlin wollte einen Chor, einen Chor, bei dem es nicht auf perfekte Tonleitern ankommt, sondern auf die richtige Einstellung. Ein feministisches Sendungsbewusstsein sollte vorhanden sein - kombiniert mit einer ordentlichen Ladung Selbstironie, einem ausgeprägten DIY-Spirit und der notwendigen Trinkfestigkeit. Als sich Gaggle zum ersten Mal in einem Ostlondoner Pub zur Chorprobe trafen, waren sie noch nicht mal zu zehnt. Mittlerweile gibt es mehr als 20 Sängerinnen - Journalistinnen ebenso wie Webdesignerinnen sowie eine Schokoladenfabrikantin. Heißt, dass Konzertveranstalter schon mal eine Menge Gästelistenplätze und Getränkemarken bereitstellen müssen. Das lohnt sich aber: Die Live-Auftritte von Gaggle sind eine Wucht. Akustisch und optisch, denn die Damen treten in selbstgeschneiderten Kostümen und mit Kriegsbemalung im Gesicht auf, als wären sie eine Art durchgeknallter Stamm. "Gaggle" heißt übersetzt übrigens "Geschnatter". Selten war ein Bandname so schön lautmalerisch.

Pussykunst - Vagina for Life!
2011 wackelt ein rosa Ding durch die Popwelt, das man so öffentlich zum letzten Mal bei feministischen Diskursen in den 70ern gesehen hat: die Vagina! Sie ist aus Lack oder Silikon, erscheint als Hut oder auf Rollen, oder gern auch als Textelement in einer Performance. Und das Wichtigste ist: Sie verströmt soviel Pop wie noch nie.
Die Vagina Lady aus San Francisco zum Beispiel hat sich ein knallpinkes Plüsch-Vagina-Kostüm gebastelt. Sie geht damit als mumifiziertes Geschlechtsorgan demonstrieren. Und zwar für nichts Geringeres als: mehr Vaginalstolz! Diese Ansichten teilt das Muschiballett aus Berlin. Eine feministische Performancegruppe, die sich darüber ärgert, dass die Vagina inzwischen sogar schon als Motiv für Stifthalter herhalten muss. Deswegen wird bei den Auftritten vom Muschiballett laut und deutlich die Macht über die Geschlechtsorgane zurückgefordert. Weniger laut, aber mindestens genauso auffällig verhält es sich mit den Vaginavariationen der Künstlerin Mimosa Pale. Die in Berlin lebende Finnin hat das Mobile Female Monument geschaffen: eine riesengroße Silikonvagina auf Rollen, in die man sogar reinkrabbeln kann. Wenn sie die nicht gerade durch die Gegend schiebt, näht sie Hüte. Muschihüte, was sonst.

Smoke Fairies - Britfolk mit Wüstensand im Getriebe
Sie sind die geistigen Kinder von Sandy Denny und Neil Young: die Smoke Fairies aus England. Ihre Mischung aus Blues, Folk und Americana hat schon Richard Hawley, Jack White oder Brian Ferry verzaubert - was nicht immer Zufall war.
Aufgewachsen sind Jessica Davies und Katherine Blamire in der englischen Grafschaft West Sussex. Hier hängt der Nebel tief zwischen den Bäumen und schäumt ewig die See, und hier träumten zwei Mädchen schon in der Schulzeit davon, den Blues in Amerika zu suchen. Also kramten Jessica und Katherine erstmal im Plattenschrank ihrer Eltern, fanden Crosby, Stills, Nash & Young und machten sich selbst ans Gitarrespielen und Singen im Kinderzimmer. Jetzt hört die ganze Welt ihnen zu. "Tracks" natürlich auch.

Geschlechterübergreifendes Arschwackeln - Sissy Bounce bringt Bewegung in den Hip-Hop
New Orleans gilt als Geburtsort des Bounce, einer Mischung aus Hip-Hop, Call and Response, und Mardi-Gras-Moves. In den Südstaaten der USA ist Bounce seit den späten 80ern der Sound der schwarzen Bevölkerung. Oder besser: Bounce war der Sound der schwarzen Bevölkerung, bis zur Jahrtausendwende. Danach hat der Sound aus New Orleans lange niemand mehr interessiert. Das hat sich aber inzwischen geändert, und daran sind einige Damen schuld: Dank der schwulen oder transsexuellen Sissy Rappers aus New Orleans boomt der Bounce-Sound mehr denn je. Sie haben mit ihren Raps und eindeutigen Moves die Clubs erobert - und zwar in allen Vierteln. Artists wie Sissy Nobby, Big Freedia oder Katey Red bringen bei ihren Gigs alle zum exzessiven Popowackeln, egal ob schwarz oder weiß, Frau oder Mann, schwul oder hetero. Und das ist gut so.

Don't be a pussy! Junge Muslimische Feministinnen räumen auf mit dem angestaubten Frauenbild
Sie sind jung, sie sind selbstbewusst und lassen sich in keine Schublade stecken - Sarah Maple und Sabina England sind zwei gute Beispiele dafür, dass sich Islam und Feminismus nicht beißen müssen. Im Gegenteil - nicht nur die Burka liefert jede Menge Stoff, um sich mit der eigenen Rolle auseinander zusetzen. Die Britin Sarah Maple ist muslimisch aufgewachsen, in einer Familie mit unterschiedlichen religiösen und kulturellen Hintergründen. Umfänglich zu bewundern in Sarahs Miniperformances. Warum nicht zum Beispiel betend mit Bunny-Ohren auf dem Kopftuch, eine Message verbreiten. Sie kritisiert sie nicht den Islam als Religion, sondern die Verhaltensregeln, die damit einhergehen - ganz wichtig bei all dem: Lachen hilft beim Verstehen! Davon hatte Sabina England wenig in ihrer Kindheit - sie hat indische Wurzeln, ist in England aufgewachsen und fühlte sich, weil sie taub ist, immer als Outsider. Dafür gehts auch bei ihr in ihren Arbeiten nicht ohne Humor. Im Video "Allah save the Punk!" spielt sie alle Rollen selbst und treibt als aufmüpfige Tochter im Punkoutfit ihren streng religiösen Vater fast in den Wahnsinn. Sie bezeichnet sich selbst als "deaf, muslim, feminist punk playwright", also als stumme, muslimische, feministische Punkdramatikerin" - da bleiben keine Fragen offen.

Live: Alex Winston
Sie ist das Catchy-Girl-Next-Door: Alex Winston aus Detroit. Mit ihrer Mischung aus Folk und Soul wird sie als das nächste große Ding im Mädelspop gehandelt. Die 23-Jährige wuchs in einem Vorort von Detroit auf. Auch wenn es vom behüteten Mittelklassevorort ein langer Weg zur 8 Mile ist: die Geschichte ihrer Stadt ist Alex ganz nah. Für einen Besuch im Motown-Museum schwänzte sie schon mal die Schule. The Supremes und Diana Ross sind ihre großen Vorbilder. Alex Winston ist verliebt in glasklaren, mehrstimmigen Girl-Group-Gesang - live in "Tracks" zeigt sie ihre Version davon.


Erstausstrahlungstermin: Do, 9. Jun 2011, 22:40

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