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Trailer Square #26 - Sophie Calle

In ihren Werken verschiebt sie die Grenzen zwischen Öffentlichem und Privatem, zwischen Intimität und Voyeurismus: Unser Gast ist diese Woche Sophie Calle. Anlässlich ihres Projekts "Zum letzten und zum ersten Mal" in Arles sowie der Ausstellung "Rachel, Monique" haben wir die französische Konzeptkünstlerin in Avignon getroffen.

Sie lädt Unbekannte ein in ihrem Bett zu schlafen, bittet ihre Mutter einen Detektiv auf sie anzusetzen und lässt die Abschiedsmail ihres Verflossenen von über hundert Frauen laut vorlesen. Sophie Calle scheut sich nicht, ihr Intimleben der ganzen Welt offenzulegen. Sie selbst definiert sich als Vertreterin einer subjektiven und erzählerischen Fotografie. Doch die 58-Jährige ist weit mehr. Wie eine aus den Fugen geratene Detektivin beschattet und dokumentiert sie. Sie dringt in die Privatsphäre des Anderen ein, stellt aber auch ihr eigenes Leben zur Schau.

Von dem Bedürfnis nach Entblößung wird die Pariserin schon früh getrieben. Mit 26 kehrt sie nach einer Weltreise in ihre Heimat zurück und wird Stripperin. In Paris fühlt sie sich einsam und so beschließt sie, Fremde auszuspionieren. Kurz darauf folgt sie einem Mann nach Venedig, um ihn dort zu beschatten, lässt sich in einem Hotel als Zimmermädchen anstellen, um den Koffer- und Müllinhalt der Gäste zu fotografieren. 2002 erzählen ihr Unbekannte Gute-Nacht-Geschichten, um sie auf dem Eiffelturm wach zu halten.

Immer wieder bringt Sophie Calle Menschen zum Sprechen, die normalerweise nicht zu Wort kommen. Sie erkundigt sich bei Unbekannten nach ihrem Monatsgehalt, fragt Blinde nach dem Schönsten, was sie je gesehen haben. Ihre Kunst provoziert bewusst. So auch ihre letzten beiden Projekte: In "Zum letzten und zum ersten Mal" beschreiben Späterblindete das, was sie als Letztes gesehen haben, während in Istanbul Sehende dabei gefilmt werden, wie sie zum ersten Mal das Meer erblicken. Auch "Rachel, Monique" bricht Tabus. Die Performance, die während des Festivals von Avignon stattfinden wird, gilt als Hommage der Künstlerin an ihre verstorbene Mutter.

Anlässlich der beiden Ausstellungen haben wir Sophie Calle getroffen. Vincent Josse spricht mit ihr über den Tod der Mutter, das Verhältnis zum Vater und die Grenze zwischen Scham und Schamlosigkeit.


Erstausstrahlungstermin: Sa, 7. Jul 2012, 20:02

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